Was passiert, wenn plötzlich niemand unsere Sprache versteht? Wenn wir nicht wissen, was von uns erwartet wird? Und wenn wir nicht einmal sicher sind, wo wir eigentlich hinmüssen?
Genau das durften wir bei einem besonderen Escape Game am 18.09.2026 selbst erleben. Gemeinsam wollten wir in die fiktive Republik „Fremdistan“ einreisen. Schon nach kurzer Zeit merkten wir: Hier ist einiges anders als gewohnt.
Wir mussten uns in dunklen Räumen orientieren, Informationen in fremden Sprachen verstehen und miteinander kommunizieren. Teilweise wurden wir sogar voneinander getrennt. Eine Situation, die im Spiel nur wenige Minuten dauerte, hat sich für uns erstaunlich real angefühlt. Wir waren verunsichert, konnten uns teilweise nicht verständigen und wussten nicht genau, was als Nächstes passiert.
Besonders hängen geblieben ist bei uns eine Situation, in der ein Stempel auf einem Dokument fehlte. Eigentlich eine Kleinigkeit – im Spiel wurde daraus aber plötzlich ein großes Problem. Wir konnten nicht richtig erklären, was los ist, und hatten gleichzeitig Schwierigkeiten zu verstehen, was von uns verlangt wurde.
Das hat uns zum Nachdenken gebracht. Wir haben gemerkt, wie wichtig Sprache und Verständigung sein können, wenn man irgendwo neu ankommt. Uns hätte es in dieser Situation sehr geholfen, wenn jemand unsere Muttersprache gesprochen und uns die Abläufe erklärt hätte. Auch Englischkenntnisse oder andere Möglichkeiten, sich verständlich zu machen, können eine wichtige Unterstützung sein.
Das Spannende an dem Escape Game war für uns, dass wir nicht nur darüber gesprochen haben, wie sich Ankommen in einer unbekannten Umgebung anfühlen kann – wir konnten einen kleinen Teil davon selbst erleben.
Natürlich lässt sich ein Escape Game nicht mit der tatsächlichen Lebenssituation von Menschen vergleichen, die in einem neuen Land ankommen. Trotzdem hat uns die Erfahrung gezeigt, wie schnell Unsicherheit entstehen kann, wenn Sprache, Orientierung und vertraute Bezugspersonen fehlen.
Für uns war es deshalb eine ungewöhnliche und vor allem emotionale Erfahrung, die noch nach dem Spiel nachgewirkt hat.
Das Projekt „Unbekanntes Unbehagen“ möchte sich spielerisch mit Fragen rund um Migration, Zugehörigkeit und Ankommen auseinandersetzen. Dabei geht es darum, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen, Empathie zu fördern und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Umgesetzt wurde das Projekt von KommMit e.V. mit einem Pool von Ehrenamtlichen. Unterstützt wurde es vom Kreisjugendring Oberhavel und der Partnerschaft für Demokratie Oberhavel im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Unser Fazit: Manchmal braucht es gar nicht viel, um sich plötzlich fremd und verloren zu fühlen. Und manchmal reicht eine kurze Erfahrung, um über Dinge nachzudenken, die man vorher vielleicht ganz anders betrachtet hat.

